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Nomadismus

Nomadismus ist (im deutschen Sprachraum) ein Überbegriff für die traditionelle Wirtschafts- und Gesellschaftsform der Hirtenvölker trockener und kalter Wüsten, Steppen und Tundren, in denen dauerhafter Bodenbau keine Perspektive hat. Sie betreiben Fernweidewirtschaft auf natürlichem Weideland (mobiler Pastoralismus) und praktizieren je nach Zustand der Weiden wiederkehrende Verlegungen des Wohnortes.

Weitere Kulturelemente sind transportable oder leicht zu errichtende Behausungen (zumeist Zelte), eine ähnliche Materialkultur und allgemein geringer Besitz. Überdies haben als Reit- oder Zugtiere nutzbare Tierarten einen hohen gesellschaftlichen Stellenwert: Sie werden umsorgt und verehrt.

Als „Nomaden“ werden jedoch nicht nur die Angehörigen der hier behandelten Hirtenvölker bezeichnet, sondern alle Menschen, die häufiger ihren Wohnplatz wechseln. In dieser weiter gefassten Bedeutung wird Nomadismus – im Sinne von „Nomadentum“ – in vielen europäischen Sprachen verwendet. Zur deutlicheren Unterscheidung werden im Deutschen bisweilen die Begriffe Hirtennomadismus oder Pastoralnomadismus verwendet.

Geschichte und kulturhistorischer Beitrag

Jüngere völkerkundliche und kulturgeographische Forschungen haben nachgewiesen, dass der Nomadismus entgegen früheren Ansichten zeitgleich oder bereits vor dem sesshaften Bauerntum (vor 13000 v. Chr.) als Anpassung an die besonderen Bedingungen der Trockenräume entstanden ist. Die frühesten Spuren des Nomadismus stammen allerdings erst vom Ende des 4. Jahrtausends v. Chr. Die Vorstellung, das Nomadentum sei eine primitivere Gesellschaftsform als die des sesshaften Bauerntums, gilt als überholt. Manche Nomaden haben sich im Laufe der Geschichte auf Handel spezialisiert. Sie führten Karawanen über Entfernungen von mehr als 1000 km.

Bekannte historische Nomadenvölker Eurasiens, die erheblichen Einfluss auf die Weltgeschichte hatten, sind die Mongolen, Skythen, Xiongnu, Mandschuren, Hyksos, Hunnen (wovon die sogenannten iranischen Hunnen zu trennen sind) und Magyaren (die „historischen Ungarn“). Das berühmteste Beispiel für eine Grenzbefestigung gegen die Übergriffe kriegerischer Nomadenstämme ist die Chinesische Mauer.

Während Hirtennomaden in der vorkolonialen Zeit eine zentrale und anerkannte Rolle beim interkontinentalen Fernhandel spielten (z. B. Seidenstraße, Weihrauchstraße), wurden sie später aufgrund ihrer grenzüberschreitenden Mobilität in jeder nur erdenklichen Weise bekämpft.

In vielen anderen Ländern Asiens und Afrikas wurde aus staatspolitischen Gründen die Sesshaftmachung der Hirtenvölker angestrebt und oftmals gleichzeitig der mobilen Viehwirtschaft ein Ende gesetzt.

Die Wissenschaft betrachtet den Nomadismus heute nicht mehr als quasi isolierte Sonderform menschlicher Gesellschaften, sondern als wesentlichen Teil übergreifender Gefüge, die entscheidende Aspekte der benachbarten sesshaften Kulturen mitgeprägt haben.
Nicht nur die mongolische oder tibetische Kultur, sondern auch die abendländisch-christliche und islamische Kultur sind davon beeinflusst. Die Religionsstifter der drei großen monotheistischen Religionen stammen aus Nomadenvölkern: Judentum, Christentum und Islam nennt man nicht von ungefähr die „Wüstenreligionen“. Abraham (aram. Av-ha-am: Vater der Völker), Isaak und Jakob, die Erzväter des Judentums, waren Nomaden.


Siehe auch

Weblinks

Quellen

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